Wie ticken Jugendliche?

„Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“, sagen wir etwas flapsig. Und doch wissen wir alle, wie wichtig Statistiken und Umfragen sind, um zu erkennen und besser zu verstehen, was gerade in der Gesellschaft los ist.

Maximilian Röll hat sich eine Jugendstudie genauer angeschaut und zeigt auf, wie sich Einstellungen junger Menschen verändern – und wo sie gleichbleiben. Mindestens genauso wichtig, vielleicht sogar noch wichtiger als Studien, sind persönliche Erfahrungen.

Deutlich wird: Junge Menschen suchen nach Antworten. Als Christen und als Oblatenmissionare können wir aus unserem Glauben heraus Orientierung schenken. Das geschieht mit Worten, vor allem aber durch die richtige Haltung. Wenn junge Menschen sich angenommen und wertgeschätzt fühlen, kommen sie auch über ihren Glauben ins Gespräch.

P. André Kulla OMI

Was Jugendstudien zeigen

Seit Jahrzehnten gibt die Shell-Jugendstudie Einblicke in die Einstellungen und Lebenswelten junger Menschen in Deutschland. Die aktuelle Ausgabe zeigt, was sich in den Bereichen Werteorientierung, Religiosität und Zukunftsperspektiven verändert hat – und was stabil geblieben ist.

Ordnung, Fleiß und Ehrgeiz

Trotz gesellschaftlicher Veränderungen bleiben viele zentrale Werte der Jugendlichen stabil:

  • Freundschaften, Familie und enge Beziehungen haben für über 90 % eine hohe Bedeutung.
  • Gesellschaftliche Ordnung ist für 88 % wichtig.
  • Fleiß und Ehrgeiz nennen 82 % als zentrale Werte.
  • Der Wunsch nach Sicherheit ist deutlich gestiegen: 87 % (2019: 77 %).
  • Umweltbewusstsein verliert dagegen an Bedeutung und sinkt von 71 % auf 62 %.

Die Eltern als Familienvorbild

  • Fast die Hälfte der 22- bis 25-Jährigen mit fester Beziehung lebt mit dem Partner oder der Partnerin zusammen.
  • Das Eltern-Kind-Verhältnis hat sich positiv entwickelt:
    • 1985 sahen 53 % der Jugendlichen ihre Eltern als Vorbilder,
    • heute sind es 78 %.
  • Der Wunsch nach eigenen Kindern bleibt hoch:
    • 71 % der jungen Frauen
    • 66 % der jungen Männer möchten später eine Familie gründen.

Glaube und Gebet verlieren an Bedeutung

Die Bedeutung des Glaubens an Gott bleibt insgesamt relativ stabil, unter katholischen Jugendlichen zeigt sich jedoch ein deutlicher Rückgang:

  • 2002 hielten 51 % den Glauben für wichtig,
  • 2024 sind es nur noch 38 %.

Auch das aktive religiöse Leben nimmt ab:

  • Der Anteil der Jugendlichen, die nie beten, ist von 29 % (2002) auf 49 % gestiegen.
  • Regelmäßiges Beten geht sowohl bei katholischen als auch bei evangelischen Jugendlichen zurück.

Maximilian Röll